Winterreifen & Schneeketten: was Pflicht ist, was sinnvoll ist
Wenn der erste Schnee fällt, sind die Werkstätten voll und die Unsicherheit groß: Was ist Pflicht, was nur eine gute Idee? Hier bekommst du den Überblick – ohne Fachchinesisch. Die Regeln können sich ändern, deshalb gilt überall: Prüfe vor der Saison die aktuelle Regel.

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Inhalt: 7 Abschnitte
Die situative Winterreifenpflicht
In Deutschland gibt es keine Pflicht nach Datum, sondern nach Wetter. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darfst du in der Regel nur mit wintertauglichen Reifen fahren. Wer es trotzdem tut, riskiert ein Bußgeld – und im Schadensfall Ärger mit der Versicherung.
- Alpine-Symbol: Als wintertauglich gelten Reifen mit dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke an der Flanke. Das gilt für Winter- und viele Ganzjahresreifen.
- Nur „M+S“: Reifen, die lediglich die Kennzeichnung M+S tragen, waren nur über eine Übergangsregel erlaubt. Nach unserem Stand ist diese Übergangsfrist ausgelaufen. Prüfe die aktuelle Regel, bevor du dich auf solche Reifen verlässt.
- Ausland: Viele Nachbarländer haben eigene Vorschriften, teils mit festen Zeiträumen. Informiere dich vor der Reise.
Als grobe Merkhilfe für den Reifenwechsel nennen viele „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern. Entscheidend ist aber das Wetter, nicht der Kalender.
Profiltiefe: Gesetz und Empfehlung
Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland mindestens 1,6 mm. Für Winterreifen empfehlen Fachleute häufig etwa 4 mm. Darunter lässt die Haftung auf Schnee und Matsch spürbar nach. In manchen Ländern gelten für Winterreifen eigene Mindestwerte.
So prüfst du: Viele Reifen haben kleine Abriebanzeiger in den Rillen. Genauer geht es mit einem einfachen Profiltiefenmesser. Miss an mehreren Stellen, auch innen und außen.
Reifendruck im Winter prüfen
Kälte senkt den Luftdruck im Reifen. Zu wenig Druck verschlechtert Haftung und Bremsweg und erhöht den Verbrauch. Deshalb:
- Druck regelmäßig prüfen, am besten bei kalten Reifen, also vor einer längeren Fahrt.
- Den richtigen Wert findest du in der Bedienungsanleitung, oft auch am Tankdeckel oder an der Fahrertür.
- Manche Hersteller geben für Winterreifen eigene Werte an. Halte dich an diese Angaben.
Schneeketten: wann du sie brauchst
Auf einer Strecke mit dem blauen, runden Schild „Schneeketten vorgeschrieben“ (ein Reifen mit Kette) musst du in der Regel Ketten aufziehen – auch mit guten Winterreifen. Das betrifft vor allem Bergstraßen und Pässe, in den Alpenländern häufiger als bei uns. In einigen Ländern und Regionen müssen Ketten im Winter außerdem mitgeführt werden. Für die meisten Fahrten im Flachland brauchst du sie nicht.
- Passende Größe: Die Ketten müssen zur Reifengröße passen. Schau in der Bedienungsanleitung nach, ob dein Auto überhaupt Ketten erlaubt und welche.
- Antriebsachse: Ketten kommen in der Regel auf die angetriebenen Räder. Bei Allrad steht die Vorgabe in der Anleitung.
- Tempo: Mit Ketten gilt meist eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Das kann je nach Schild und Land abweichen – beachte die Beschilderung vor Ort.
- Nur auf Schnee: Auf freier Straße Ketten abnehmen. Sie können sonst Straße, Kette und Reifen beschädigen.
Montage zu Hause üben
Die erste Montage bei Dunkelheit, Kälte und am Straßenrand ist frustrierend. Übe lieber vorher in Ruhe:
- An einem trockenen Tag in der Einfahrt oder auf einem ruhigen Parkplatz üben.
- Anleitung der Ketten vorher einmal ganz lesen.
- Handschuhe, Taschenlampe und eine Unterlage zum Knien bereitlegen – und später im Auto lassen.
- Ketten montieren, ein kurzes Stück fahren, dann nachspannen, wenn die Anleitung das vorsieht.
- Wieder abnehmen, trocknen lassen und ordentlich verstauen.
Reifen richtig einlagern
- Vorher reinigen und auf Schäden, Risse und eingefahrene Steine prüfen.
- Position markieren, zum Beispiel mit Kreide: VL, VR, HL, HR. So kannst du beim nächsten Wechsel gezielt tauschen.
- Kühl, trocken und dunkel lagern, fern von Öl, Lösungsmitteln und Heizkörpern.
- Mit Felge liegend stapeln oder aufhängen. Ohne Felge eher stehend lagern und ab und zu etwas drehen.
- Alter prüfen: Das Herstelldatum steht als DOT-Code auf der Flanke. Auch Reifen mit viel Profil werden mit den Jahren härter.
Häufige Fragen
Reichen Reifen mit M+S-Kennzeichnung im Winter aus?
Als wintertauglich gelten in Deutschland Reifen mit dem Alpine-Symbol. Reifen nur mit M+S-Kennzeichnung waren lediglich über eine Übergangsregel erlaubt, die nach unserem Stand ausgelaufen ist. Prüfe die aktuelle Regel.
Wie viel Profil sollten Winterreifen haben?
Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland mindestens 1,6 Millimeter. Fachleute empfehlen für Winterreifen häufig etwa 4 Millimeter, weil darunter die Haftung auf Schnee und Matsch nachlässt.
Wie schnell darf ich mit Schneeketten fahren?
Meist gilt mit Schneeketten eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Je nach Land und Beschilderung kann das abweichen, deshalb gelten die Schilder vor Ort.